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To(r)tengräber

Verlag: Lübbe ISBN:
340414368X erschienen: 2000
deutsch
Ein Super-Steinfest mit Schirm, Charme und Melange!
Nach dem "Ein-Mann-Komplott", dem "Nachmittag des
Pornographen" und "Cheng" nun der vierte Wien-Krimi von Heinrich
Steinfest, zu dessen (immer noch kleiner?) Stammleserschaft zu gehören mir
immer mehr Spaß und Freude bereitet. Wie seine drei vorherigen Romane ist auch
der "Tortengräber" wieder ein besonders gelungenes Beispiel dafür,
wie man die mittlerweile nicht mehr gar so exotische Mischung aus beißender,
polemischer Gesellschaftskritik, Satire, surrealer Imagination und Sex and Crime
(bei Steinfest eher Crime, vom "Pornographen" mal abgesehen) zu einem
unterhaltsamen, schrägen Krimi-Plot gerinnen lässt.
Steinfest bleibt im "Tortengräber" seiner Tradition treu: Die Figuren
schäbig, schrill, skurril, korrupt, oder wie Vavra, einer der bedauernswerten
Protagonisten, plötzlich herausgerissen aus einem stillen Ozean alltäglicher
Langeweile und jäh hineingespült in einen Strudel fataler Verstrickungen, die
er nicht zu durchschauen vermag. Wie immer ordentliche Hiebe auf das, was sich
als bessere Gesellschaft versteht, wenn auch nicht mehr so polternd und direkt
wie noch in den Romanen zuvor, was der Sache aber keinen Abbruch tut, ätzend
bleibt der Autor allemal.
Inhalt: Diesmal sind es Psychiater,
Gerichtsgutachter, honorige Professoren, arrivierte bildende Künstler, die von
Steinfest gnadenlos ins Visier genommen werden, und eine deutsche
Industriellenfamilie, deren Machenschaften in den durch und durch korrupten,
morbiden, dekadenten und nepotistischen Niederungen der österreichischen - und
vor allem Wiener - Gesellschaft einen gedeihlichen Nährboden finden.
Ausbaldowert werden diese Machenschaften im kleinen, der Bäckerei Lukas
angeschlossenem Kaffeehaus, einem konspirativen Augiasstall, in dem sich die
wahrlich verkommensten und niederträchtigsten Elemente der Wiener Society
tummeln.
Diesen Stall auszumisten schicken sich Resele und Cerny an, erstere exzentrische
Lebedame, letzterer ein neurotischer Kriminalbeamter, beide durch die Untiefen
und Wirrnisse der Ermittlungen untrennbar und schicksalshaft bis zum Finale
furioso aneinandergekettet. Ein kriminalistisches Wiener Traumpaar, das mit
Schirm, Charme und Melange beharrlich danach trachtet, den fiesen
Mehlspeisenfreunden der Lukas-Runde auf die Schliche zu kommen. Die beiden sind
einen Fortsetzungsroman, wenn nicht gar eine ganze Serie wert, wäre da nur
nicht dieser Brief und Frau Hafners verhängnisvolle Neugier gewesen ...
Bewertung: Der langen Rede kurzer Sinn: Diese
Torte ist es wert, vernascht zu werden, absolut lesenswert für die Freunde von
Mord, Fiebermessern, der Stadt Wien und ihrer köstlichen Süßspeisen. Und überhaupt,
Herr Steinfest, poltern Sie doch mal wieder so richtig drauf los und schreiben
Sie vielleicht mal ein Drehbuch für den Wiener Tatort, auf daß er einmal
ausnahmsweise nicht als Schlaftablettensubstitut wirken möge.
31.05.2001 © Charly Schall
Mira,
Kuki

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