James McClure
"VERGEßT MIR NICHT DIE KLASSIKER ..."
...predigte immer mein Deutschlehrer in meiner Schulzeit. Jetzt auf meine
alten Tage gab und gibt es immer mehr Anlässe, bei denen ich ihm im
nachhinein Recht geben muss. Denn vergessene Klassiker gibt es auch in der
Kriminalliteratur. So habe ich erst jetzt Chester Himes (verdienstvoll neu
herausgegeben im Unionsverlag, dessen Romane zur Zeit aber als
Mängelexemplare verramscht werden), Ross MacDonald (auf den mich
freundlicherweise Klaus Baum aufmerksam gemacht hat und dessen Romane bei
Diogenes entdeckt werden können - vielen Dank, Klaus !), Jean-Claude
Manchette (dessen Werk im Distel-Verlag neu herausgegeben wird) entdeckt.
Und über wie viele andere gehe ich in meiner Ignoranz hinweg ?
Eine Lanze brechen möchte ich für James McClure und seine Tromp
Kramer/Mickey Zondi-Reihe, dessen Romane heute leider nur noch in
Antiquariaten erhältlich oder wie Maria so treffend formuliert Out-of-Print
sind:
James McClure wurde 1939 in Johannesburg/Südafrika geboren. Er arbeitete als
Gerichtsreporter und Photograph für verschiedene Zeitungen und beschäftigte
sich bevorzugt mit der südafrikanischen Polizei. Aufgrund seiner Erfahrungen
entschloss er sich 1965 zur Emigration und siedelte mit seiner Familie nach
Großbritannien über. Im Jahre 1971 veröffentlichte er den ersten Roman „The
steam pig“ um den weißen Lieutant Tromp Kramer und den Bantu Detective
Sergant Mickey Zondi. Diesem Roman folgten acht weitere Romane um die beiden
Protagonisten. Der Roman „Die schwarze Hexe / The Song dog“ erschien erst
1991, ist aber inhaltlich der erste Roman der Tromp Kramer/Mickey Zondi-Reihe.
Hier schildert McClure das erste Aufeinandertreffen der beiden
Protagonisten.
Obwohl McClure stets erklärte, er beschreibe Südafrika lediglich so wie es
sei, ist er ein vehementer Kritiker des Apartheid-Regimes. Er vermeidet
dabei grobe Statements und kritisiert die Apartheid mittels unauffälliger
Details, in Nebensätzen und mit kleinen Beobachtungen am Rande. Seine beiden
Protagonisten, der weiße Lieutant Tromp Kramer und den schwarzen Bantu
Detective Sergant Mickey Zondi, spiegeln den Konflikt der südafrikanischen
Gesellschaft zur Zeit des Apartheidregimes wider. Sowohl in ihrer
persönlichen Beziehung zueinander als auch in den Ermittlungsarbeiten
schleppen sie den Ballast der Apartheid ständig mit sich herum. Zum einen
müssen sich die beiden Polizisten gegen ihre Vorgesetzten zur Wehr setzen,
die von ihnen keine Aufklärung, sondern die Bestätigung bereits vorab
festgelegter Resultate erwarten. Zum anderen beobachten ihre Kollegen
mißtrauisch den persönlichen, fast partnerschaftlichen Umgang der beiden. So
trotzen Kramer und Zondi dem politischen und gesellschaftlichen Druck ihrer
Umgebung und versuchen ihre Pflicht gegenüber der (farben)blinden Göttin
Justitia (und nicht gegenüber dem Apartheidregime) zu erfüllen. Dabei ist
Kramer zu Anfang ein Rassist und erst im Laufe ihrer Zusammenarbeit
entwickelt sich über den gegenseitigen Respekt hinaus so etwas wie
Freundschaft, die sie jedoch nicht einander wagen einzugestehen. Kramer ist
auch kein braver, korrekter Polizeibeamter. Seine Verhörmethoden sind auch
wohl nur unter einem Unrechtsregime denkbar. Aber diese realistische
Schilderung erhöht die Authenzität der Romane. Er starb am 17.06.2006.
| erschienen ( E / D ) | ||
| Tromp Kramer/Mickey Zondi-Serie: | ||
| Die schwarze Hexe | The song dog (A prequel) | 1991 / 1993 Rowohlt |
| Begräbnis inklusive oder: Ein Sarg mit falscher Adresse | The steam pig | 1971 / 1994 Rowohlt (1975 Scherz) |
| Nachtspiele oder: Ein vorwitziges Kind | The Caterpillar cop | 1972 / 1994 Rowohlt (1975 Scherz) |
| Beichtgeheimnisse oder: Geheime Sünden, bar bezahlt | The Gooseberry fool | 1974 / 1995 Rowohlt (1976 Scherz) |
| Im Bann der Schlange oder: Die Viper | Snake | 1975 / 1995 Rowohlt (1977 Scherz) |
| Ein Opfer für den Henker oder: Mord am Galgen | The sunday hangman | 1977 / 1997 Rowohlt (1984 Moewig) |
| Die Jagd nach dem Schatten | The blood of an englishman | 1980 / 1996 Rowohlt (1985 Moewig) |
| Kalte Revanche | The artfull egg | 1984 / 1997 Rowohlt |
|
Andere Mystery/Detective Novels: |
||
| Four and Twenty Virgins | 1973 | |
| Rogue Eagle | 1976 | |
| Imago | 1988 | |
|
Nonfiction Books |
||
| Spike Island | 1980 Liverpool Police | |
| Cop World | 1985 San Diego Police | |
Auszeichnungen:
Für „The steam pig” (1971) erhielt McClure den Gold
Dagger und für “Rogue Eagle“ (1976) den Silver Dagger der
British Crime Writer Association.
01.09.2006 © Claus und Martina Fink