Lesung von Anne Perry in Hamburg
Am 09.02.2001 fand die Lesung von Anne Perry zu ihrem neuesten Roman " Schatten über Bedford Square" im Speicherstadtmuseum zu Hamburg statt. Gerade dieses traditionelle Stück Hamburgs mit seinem hölzernen Gebälk, alten Kaffeesäcken, Teekisten und alten gepressten Kautschukballen war ein wunderbares Ambiente für eine Lesung eines historischen Kriminalromans . Die Veranstaltung war sehr gut besucht und das Publikum war Mischung aus jung und alt, von dem, Bemerkenswerterweise , die Hälfte männliche Zuhörer waren. Die Hamburger Kriminalautorin Regula Venske übernahm den deutschen Part der Lesung und übersetzte die Antworten von Frau Perry. Ebenfalls übernahm Frau Venske die Einleitung zur Lesung, die wirklich gelungen und eine Hommage auf die Charlotte und Thomas Pitt - Serie und auf den viktorianischen Kriminalroman war. Dankenderweise hat sie uns ihr Manuskript zur Verfügung gestellt, welches wir in vollem Umfang hier darstellen:
REGULA VENSKE
ANNE PERRY, SCHATTEN ÜBER BEDFORD SQUARE
MÜNCHEN, MANNHEIM, HAMBURG, FEBRUAR 2001
Dietrich Schwanitz, dessen "Campus"-Romane und andere
Bestseller Sie vielleicht kennen und bei dem ich vor nun mehr zwanzig Jahren
Anglistik studierte, pflegte die Studenten seiner Seminare durch folgende
Frage in Verlegenheit zu versetzen: "Welcher Schriftsteller", so wollte
Professor Schwanitz gern von uns wissen, "ist der größte Autor englischer
Sprache des 19. Jahrhunderts?"
Geraten wurde dann viel, Charles Dickens meinten die einen, Thomas Hardy
schlugen die anderen vor; kühnere Gemüter dachten auch an Oscar Wilde, Edgar
Allan Poe oder Robert Louis Stevenson. Nun? Der größte englische Autor des
19. Jahrhunderts? Dietrich Schwanitz verblüffte fast jeden mit seiner so
naheliegenden Antwort: Der größte englische Autor des 19. Jahrhunderts war
natürlich - Jane Austen! Wer ihre feinen, subtil-ironischen
Gesellschaftsporträts nicht im Original gelesen hat, mag den einen oder
anderen Roman in Laufe der letzten Jahre im Kino kennengelernt haben.
Heute abend nun knüpft sich folgende Frage an: "Welcher Kriminalschriftsteller
ist der größte Krimiautor englischer Sprache des 19. Jahrhunderts?"
Edgar Allan Poe oder Arthur Conan Doyle? Geschenkt!
Die Antwort heute abend kann nicht verblüffen, und hier ist sie leibhaftig,
der größte Krimiautor des 19. Jahrhunderts: Anne Perry!
Wer wissen möchte, wie es sich in der spätviktorianischen Gesellschaft
gelebt hat, wie das Klassensystem noch funktionierte und wo es bröckelte,
wie die Geschlechtertrennung noch behauptet und wo sie von energischen und
klugen und nicht nur jungen - Frauen verstärkt in Frage gestellt wurde, der
tut gut daran, Anne Perrys Krimiserie um Inspektor Thomas Pitt und seine
Frau Charlotte zu lesen. In Bestsellern wie "Der Würger von der Cater
Street", "Callander Square", "Frühstuck nach Mitternacht", "Mord im Hyde
Park", "Eine geschlossene Gesellschaft" und vielen anderen hat dieses
sympathische Ehepaar etliche Verbrechen aufgeklärt, Pitt als offizieller
Ermittler, Charlotte als ihn unterstützende, tatkräftig interessierte
Ehefrau, und manchmal auch nur als sich neugierig einmischendes Weibsbild.
Nicht immer weiß Pitt ja, daß Charlotte ihm bei seinen Ermittlungen hilft,
mitunter verärgert es ihn; letztlich weiß er Rat und Unterstützung von ihrer
Seite aber doch männlich und tapfer zu schätzen. Unterstützung finden die
beiden, seit Pitt zum Oberinspektor der Bow Street befördert wurde, in
seinem Untergebenen Tellman und in Charlottes Hausmädchen Gracie. Zwischen
diesen beiden spinnt sich seit einigen Romanen eine Romanze in Souterrain
an, deren Entwicklung wir natürlich mit Interesse verfolgen. Seit Pitt
befördert wurde, obliegt Tellman zudem verstärkt die Aufgabe, die
gesellschaftskritischen Beobachtungen zu formulieren, die Thomas Pitt
gefühlsmäßig teilt, von denen er sich inzwischen aber doch etwas lösen
mußte. Seine genauere Kenntnis der oberen Klassen und ihrer Probleme
ermöglicht ihm weitergehende Differenzierungen bzw. fordert ihm solche ab.
Unterstützung kommt aber auch noch aus anderer Sphäre. Charlotte entstammt
einem großbürgerlichen Elternhaus und hat sich, als sie den Polizisten und
Wildhütersohn Pitt heiratete, unter Stand begeben. Ihre Schwester Emily hat
hingegen in den höheren Adel hinaufgeheiratet.
Sie ist (die später verwitwete) Lady Ashworth, und gemeinsam mit ihrer
Großtante Lady Vespasia Cumming-Gould, einer entzückenden alten Dame, die in
ihrer Jugend die schönste Frau Londons war und jetzt die Narrenfreiheit des
Alters und ihrer Gesellschaftsschicht voll auszukosten versteht, ist sie oft
mit von der Partie, wenn es gilt, Auskünfte über einzelne Angehörige der
besseren Kreise zu gewinnen, Charlotte als 'teilnehmende Beobachterin' bei
dem einen oder anderen gesellschaftlichen Ereignis einzuschleusen oder auch
nur ihr mit der richtigen Garderobe oder einer gerade benötigten Kutsche
auszuhelfen.
Durch diese geschickte Verbindung von Personal und Plot versteht es Anne
Perry, die Leser in verschiedene gesellschaftliche Sphären zu führen.
Dementsprechend sind die Hintergründe ihrer Verbrechen nicht nur in
persönlicher Psychologie begründet. Menschliche Leidenschaft entfaltet sich
bei ihr vorwiegend in der Sphäre von Macht, Einfluß und Geld. Da gibt es
obskure Geheimgesellschaften, etwa den Inneren Ring, dessen Mitglieder,
ausnahmslos Angehörige der höheren Schicht, per Gelöbnis zu bedingungsloser
Unterstützung gepreßt werden. Oft steht Afrika, der dunkle Kontinent, als
Chiffre und Symbol für Mord rechtfertigende Motive. Da sammelt Cecil Rhodes
seine Truppen, da soll etwa die Kap-Kairo-Achse ausgebaut werden, und manch
einer träumt wie Linus Chancellor in "Der blaue Paletot" ("Traitor's Gate")
von der "Zeit, wenn die großen Flüsse Afrikas zu den Handelswegen der Welt
zählen werden. Die Zeit wird kommen, in der wir Gold und Diamanten,
exotische Hölzer, Elfenbein und Tierfelle aus Afrika auf den großen
Wasserstraßen transportieren, so wie wir es jetzt mit Kohle und Korn auf dem
Manchester-Kanal machen." - "Oder auf den Rhein", fügte Susanna
nachdenklich hinzu." Daß nämlich das Deutschland der Bismarck'schen und
Nach-Bismarckschen Ära mit seinen Interessen in Afrika der politische
Gegenspieler ist, sei am Rande nicht verschwiegen, und wenn Verrat begangen
wird, so ist es Verrat im persönlichen wie in politischen Sinne.
Fans der Hartgesottenen Schule sind bei Anne Perry an der falschen Adresse.
In ihren Romanen liegt der "zarte Ton des Weichzeichners über den
Verbrechen", urteilte die Berliner Morgenpost. Ihre Gesellschaftskritik, und
darin mag noch ein bißchen Jane Austen nachwirken, kommt subtil, elegant und
manchmal auch leicht ironisch daher. Was für eine raffinierte Beobachtung
ist es etwa, wenn Thomas Pitt in "Belgrave Square" bei seinen
Ermittlungen feststellt: "Das war ein Vorteil, den die Armen gegenüber Lord
Byan hatten: Sie kannten keine Privatsphäre. Die meisten von ihnen waren
immer mit anderen Menschen zusammen..." Armut als Synonym für Alibi - eine
wunderbare Verknüpfung eines sozialkritischen und eines genrespezifischen
Gesichtspunktes. <Oder nehmen wir folgende Schilderung eines Leichenfundes -
und das ist ja stets eine zentrale Szene im Krimigenre; wir begegnen hier
auch schon der großartigen Lady Vespasia: Frühstück nach Mitternacht
(Cardington Crescent), pp.69-7O>
Nun besteht natürlich kein Grund,
nostalgisch zu werden. Wer sich in die 'gute alte Zeit' des
Spätviktorianismus zurück träumt, tut gut daran, sich die Statistiken vor
Augen zu halten. Höchstwahrscheinlich wären Sie und ich nicht im Stand (oder
auch nur mit der Schönheit) einer Lady Vespasia geboren. Vielleicht hätten
wir es nicht einmal bis zum Butler oder Stubenmädchen gebracht.
"Erst vor zwölf Jahren", so heißt es in "Die dunkelgraue Pelerine"
("Bethlehem Road"), "waren medizinische Schulen für Frauen geöffnet worden,
erst seit sechs Jahren durften verheiratete Frauen ihr eigenes Vermögen
verwalten, und seit vier Jahren hatten sie aufgehört, als bewegliche Habe
ihres Ehepartners zu gelten. " Der Roman spielt "im Jahr des Herrn 1888".
Manch eine von uns wäre vielleicht das, was "im modernen Sprachgebrauch" -
des späten 19. Jahrhunderts eben - "eine 'überzählige Frau' genannt wurde,
gewesen?
"Der Ausdruck wird immer geläufiger... Damit ist eine Frau gemeint, die
nicht zu einem Mann gehört und insofern überflüssig ist; sie ist
gewissermaßen unversorgt und füllt ihre traditionelle Rolle nicht aus."
("Traitor's Gate")
Da hätten wir noch Glück gehabt, wenn man über uns nur, wie über Charlotte
bei einer Abendgesellschaft, die Nase gerümpft hätte: "Sie sieht kerngesund
aus, sehr unelegant. Aber sicherlich merkt sie es nicht, die Arme." (ebd.)
Gesellschaftskritik, Frauenemanzipation, nicht zu vergessen das Londoner
Lokalkolorit, das sind die Zutaten, die Anne Perrys Romane über den
jeweiligen Fall hinaus spannend und lesenswert machen. Aber dies alles
greift zu kurz, wenn man nicht auch über die Bedeutung der Religion in ihrem
Werk nachdenkt. Gestatten Sie mir dazu noch ein paar Worte. Einige Romane,
etwa "Eine geschlossene Gesellschaft" ("Ashworth Hall") oder "Das Geheimnis
der Miss Bellwood" ("Brunswick Gardens") handeln explizit von religiösen
Kämpfen, von Glaubenskrisen und theologischen Auseinandersetzungen. Aber die
Bedeutung der Religion in Anne Perrys Werk reicht über die vordergründige
Thematisierung solcher Fragen hinaus. Der evangelische Theologieprofessor
Hans-Martin Gutmann hat aufgezeigt, das Kriminalromane "mit Versatzstücken
des archaisch-mythologischen und/oder des 'evangelischen' Opfertypus
arbeiten, in den einer sein Leben zur Rettung anderen Lebens einsetzt oder
sogar hingibt." Ein Beispiel für den archaisch-mythologischen Opfertypus bei
Anne Perry wäre etwa der Tod des Wucherers in "Belgrave Square", wo ja der
widerliche Geldverleiher Weems "mit einer Ladung Goldmünzen erschossen"
wird. Es fällt Pitt schwer, "Weems Mörder mit dem Einsatz seiner ganzen
Energie zu suchen" - nach archaischem Muster bewirkt der Tod des Sündenbocks
bekanntlich die Wiederherstellung des Friedens. Aber natürlich kann Pitt
sich mit der Ermordung des Wucherers dann doch nicht zufrieden geben. Die
höhere moralische Stufe wäre der 'evangelische' Opfertypus, evangelisch
nicht gemeint als Gegensatz zu katholisch, sondern im Sinne eines
neutestamentlichen Opfertypus, der nach dem Vorbild Jesu Christi ein
unschuldiges Opfer verlangt. Dessen freiwillige Selbsthingabe hebt den
mythischen Opfermechanismus auf. Auf raffinierte Weise spielt Anne Perry auf
beide Opfertypen an. So erscheint etwa der Tod des Geistlichen Reverend
Ramsay Parmenter in "Das Geheimnis der Bellwood" ("Brunswick Gardens")
zunächst in archaisch-mythischen Sinne, bis sich seine Unschuld herausstellt
und alles ganz anders war. Und auch der von ihm christlich unterwiesene
angehende Pfarrer Dominic Corde ist auf dem besten Wege, sich der
Gemeinschaft als 'evangelisch' unschuldiges Opfer hinzugeben.
Im Krimi, so Hans-Martin Gutmann unter Anlehnung an den Ethnologen Victor
Turner, geht es um die "Begegnung mit dem Bösen", und zwar werde
vergleichbar mit dem Vollzug eines religiösen Rituals eine Schwelle
überschritten aus einer alltäglich profanen Welt, in der alles seine Ordnung
hat. Im Ritual findet eine (kontrollierte) Flußerfahrung statt, in der die
Grenzen zwischen Ich und Du, die Grenzen zwischen Nachdenken und Handeln,
die Grenzen von Zeit und Raum aufgehoben sind. "Alles lag wie unter einem
Schleier... die Zeit schien stillzustehen", heißt es etwa im "Geheimnis der
Miss Bellwood", und so ließe sich sowohl die Zeit der Tat als auch die Zeit
der Lektüre beschreiben. Auch die Zeit des Krimilesens ist eine Auszeit. Wir
treten über eine Schwelle, tauchen ein in die Machtsphäre des Bösen, in der
es um Geld, Macht, Einfluß, Leidenschaft geht. Um uns dann aber doch nicht
ganz dem Bösen anheimzugeben. Es gibt Hoffnung auf Rettung, und zu guter
Letzt besteht die Chance, daß wir geläutert aus den Seiten des Buches wieder
auftauchen werden. Damit habe ich Sie schon ein wenig, so hoffe ich, über
die Schwelle gelockt. Folgen Sie mir also weiter mit Anne Perry zum "Bedford
Square".
2001 © Regula Venske
Nach diesen hervorragenden einführenden Worten folgte die Lesung abwechselnd
in Englisch und Deutsch. Danach stellte erst Regula Venske einige Fragen an
Anne Perry und dann wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet: Hier noch
ein Auszug :
Frage: Wann haben sie Charlotte und Thomas Pitt zum ersten Mal getroffen?
A. Perry: Ich lebe in einem kleinen Dorf in Suffolk. Dort habe ich in den Spiegel geschaut und Charlotte gesehen, denn als Schriftsteller lebt man ein Stellvertreter-Leben. Pitt war die richtige Folie, um Unruhe zu stiften.
Frage: Identifizieren sie sich mit ihren Personen?
A. Perry: Wenn, dann mit Vespasia. Vespasia ist wie meine Tante Aina, meine Mutter und wie ich gerne sein möchte.
Frage: Wie sind sie zum Schreiben gekommen?
A. Perry: Mein Stiefvater hat mich inspiriert. Allerdings sollte ich, seiner Meinung nach, über Jack, the Ripper schreiben, denn er hatte die Theorie, dass Jack, the Ripper ein Politiker gewesen ist. Aber ich schreibe lieber Krimis. Hierbei spielt meine Vorstellung eine große Rolle: Es passiert ein Mord - vielleicht kenne ich den Mörder - man verdächtigt Menschen, die einem nahe stehen und nimmt alles plötzlich ganz anders wahr - der psychologische Aspekt hat mich interesssiert.
Frage: Sind manche Begebenheiten in ihren Büchern tatsächlich passiert
A. Perry: Ich habe authentische Zeitungen gelesen und dann manche Vorkommnisse mit in meine Bücher eingebracht. So auch in meinem Buch "Belgrave Square", wo das Baccaraspiel auch erwähnt wurde. Ich habe es mit eingebracht, um zu zeigen, dass Gerüchte und Klatsch einen in den Ruin treiben können.
Frage: Hätten sie gern im viktorianischen Zeitalter gelebt?
A. Perry: Nein
Frage: Die Titel ihrer Bücher haben im Original immer den Bezug zu Plätzen (Place) , ist das von ihnen gewollt?
A. Perry: Für das erste und zweite Buch habe ich "Place" im Titel benutzt. Der Verlag wollte dann, weil es eine Serie ist, dass ich weiterhin "Place" benutze.
Regula Venske machte dann ein Assoziationsspiel mit Anne Perry:
Justice (Gerechtigkeit): Justice ist für Anne Perry dann, wenn man sieht, was man sich selbst angetan hat ( Bestrafung von innen ). In einem Film wird Zügellosigkeit so beschrieben, dass die Menschen vom Wind zu Boden geworfen werden.
Power (Macht): Power ist eine Macht und man soll weise damit umgehen, denn Macht ausüben ist sehr gefährlich und man soll sich damit zurückhalten. Ich gehöre der "Church of Jesus Christ" an und dort wird gesagt, dass es eine Sünde ist, wenn man ungerechtfertigt andere Menschen durch Macht manipuliert.
Fear (Angst): Ohne Angst hat man keinen Mut
Honor (Ehre): Haben wir etwas verloren, sollte man von innen definieren: "Ich könnte dich nicht lieben, wenn ich nicht die Ehre liebte"
Mercy (Gnade): Was man für einen anderen Menschen macht.
Weiter ging es mit Fragen aus dem Publikum:
Frage: Was haben sie gemacht, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmeten?
A. Perry: Ich war Sekretärin, Verkäuferin , Stewardess, eben alles, was man macht um Geld zu verdienen. Meine Mutter hat zwanzig Jahre lang die Absagen aufgemacht, ehe sich der Erfolg einstellte. Jetzt kann sie auch positive Bescheide öffnen. Meine Mutter ist 89 und kann meinen Erfolg noch miterleben.
Frage: Wie lange schreiben sie am Tag?
A. Perry: Ich verbringe 12- 14 Stunden am Tag mit Schreiben. ich habe aber auch zwei Hunde, mit denen ich spazieren gehe und ich spreche auch mit den Blumen.
Frage: Welche ihrer beiden Serien mögen sie lieber?
A. Perry: Ich mag beide Serien, denn hätte ich nur eine, würde ich mich langweilen.
Frage: Wird einmal Pitt die Vergangenheit von Monk aufklären?
A. Perry: Das geht nicht, denn zwischen den beiden Serien liegen 30 Jahre. Außerdem weiß ich selbst nicht, wie die Vergangenheit von Monk aussieht.
Frage: Warum schreiben sie historische Kriminalromane?
A. Perry: Ich liebe alles Historische, über das ich was weiß. Wenn man das Ende der Jahrhunderte betrachtet, stellt man fest, dass es große Parallelen zueinander gibt. Ende des 18. und 19. Jahrhunderts gab es immer große soziale, gesellschaftliche Veränderungen, besonders für die Frauen. Das viktorianische Zeitalter war ein interessantes, expandierendes Zeitalter, wo die Kriminalistik noch nicht so weit war. Ich möchte in meinen Büchern die Ermittlungen so betreiben, wie wir es alle betreiben können. Deswegen schreibe ich in der Zeit, in dem die Polizei noch über keine Hilfsmittel (sprich Fingerabdrücke etc.) verfügte.
Letzte Frage: Wie schreiben sie ein Buch?
A. Perry: Zuerst mache ich einen detaillierten Plan, ca. 12 - 14 Seiten, in denen ich festlege wer, wo, wann, denn nur mit einem klaren Konzept kann man etwas vernünftiges schreiben, sonst ist alles Unsinn. Erst dann beginne ich mit dem Schreiben, alles handschriftlich -
Hier zeigte uns Anne Perry ihren Block mit einem angefangenen Konzept für ihr nächstes Buch!
Es war eine wunderbare Lesung! Besonderen Dank an Regula Venske, die es verstanden hat, durch ihre Einführungsrede , gute Übersetzung und gezielten Fragen, eine so schon sehr gute Lesung von Anne Perry, zu einem ganz besonderen Ereignis zu machen. Durch ihrem Charme und ihre gute Krimikenntnis, machte sie es möglich, das dem Zuhörer wesentlich mehr Informationen über Anne Perry vermittelt wurden.



11.02.2001 © Thomas und Martina Fink