Knüppeldick

Autor: Jean-Patrick Manchette
Verlag: Distel
ISBN: 3923208448
erschienen: 2001 deutsch (von Christina Mansfeld u. Stefan Linster) 1976 französisch
Inhalt mit Bewertung: Eugène
Tarpon, der Ex-Gendarm, der Privatschnüffler wurde, nachdem er versehentlich
einen Demonstranten tötete, tritt auch in dem zweiten Roman „Knüppeldick“
von Jean-Patrick Manchette auf. Es begegnen uns auch wieder der sympathische
alte Ex-Journalist Haymann, der menschliche Kriminalbulle Coccioli und die
kratzbürstige Stuntfrau Memphis Charles alias Charlotte Schultz.
Dieses Mal übernimmt der Detektiv die Aufgabe, ein blindes Mädchen im
Auftrag einer alten Dame zu suchen. Dabei gerät er wieder in eine komplexe
Intrige, in der nicht nur bretonische Ex-Nazis, sondern auch eine obskure
"Gemeinschaft der Reformierten Skopzen" eine wichtige Rolle spielen, und
landet schließlich zum furiosen Showdown in einem Kloster.
Manchettes Roman ist grell, knapp und brutal geschrieben. Insbesondere der
Showdown gerät zu einem Höhepunkt der Gewalttätigkeit. Tarpon selbst kriegt
das Finale, schwer verletzt und mit Drogen vollgepumpt, gar nicht mehr
richtig mit. Doch Manchette nimmt dieser Brutalität die Spitze, indem er das
Finale aus der Retroperspektive erzählt. Zugleich benutzt er Ironie und
Persiflage, um die beiden Bösewichte zu konterkarieren. Er gibt sie der
Lächerlichkeit preis. Doch angesichts der Bedrohung der Bürgergesellschaft
durch den Rechtsextremismus bleibt dem Leser das Lachen im Halse stecken.
Manchette benutzt auch das Stilmittel Ironie, um das konservatives
Grundprinzip des klassischen Kriminalromans ad absurdum zu führen, das auf
die Wiederherstellung von Ordnung durch Identifizierung des Täters und
dessen Bestrafung ausgerichtet ist. Tarpon weiß und erfährt am eigenen
Leibe, das die Welt ein Rattennest und als Ganzes nicht zu retten ist.
29.05.2001 © Claus
Mira