Interview mit Susanne Ptak



TOM: Hallo Frau Ptak schön, dass Sie Interesse haben zu einem Interview bei der Krimiwebseite "TOMS Krimitreff". Können Sie ein wenig über sich erzählen?

Susanne Ptak: Ich bedanke mich für das Interesse an einem Interview mit mir!
Also hier mein bisheriges Leben in Kurzfassung: 1964 kam ich in Düsseldorf zur Welt. Nach Schule und Ausbildung zur Anwaltsgehilfin, arbeitete ich einige Jahre als Texterin in einer Werbeagentur.
1994 machte ich mich mit einem Geschäft für Bastelbedarf selbständig. Während dieser Zeit schrieb ich auch Bastelbücher, noch unter meinem Mädchennamen Susanne Scholz. Insgesamt sind 32 Bücher erschienen.
2003 zog ich mit meinem Mann ins schöne Ostfriesland. Hier erfüllte ich mir 2010 einen Traum und eröffnete eine kleine Schafskäserei.
Leider machte mein Rücken die körperlich doch sehr schwere Arbeit nicht lange mit und mit einer Mini-Landwirtschaft sein Geld zu verdienen, ist auch nicht wirklich einfach.
Im November 2013 stand ich an einem kalten, nassen Samstagmorgen auf dem Leeraner Wochenmarkt. Ich fror erbärmlich und der dritte Bandscheibenvorfall bereitete mir höllische Schmerzen. Als "Sahnehäubchen" auf diesen Zustand kam dann noch eine Kundin, die sich über meine viel zu hohen Preise beschwerte. In diesem Moment hatte ich tatsächlich Mordgelüste und dann dachte ich: "Mach's doch einfach! Bring jemanden um - und zwar auf dem Papier!"
Nach Marktschluss fuhr ich nach Hause und begann mit dem "Grünlandmord".

 

TOM: War die Marktszene der einzige Anreiz Kriminalromane zu schreiben, oder spielten Sie schon länger mit dem Gedanken Krimis zu schreiben?

Susanne Ptak: Nein, sie war quasi nur der Ruck, den ich noch brauchte. Mit dem Gedanken, Krimis zu schreiben, beschäftigte ich mich schon seit Jahren und habe auch mehrfach damit angefangen. Aber jedes Mal, wenn ich eine tolle Idee hatte, löste Jessica Fletcher MEINEN Mord in der nächsten Folge "Mord ist ihr Hobby". Daran ist allerdings schon zu erkennen, dass ich immer einen Hang zu Amateurermittlern hatte.

 

TOM: Das Amateurermittlerteam aus dem Spinnclub ist wirklich ein skurriler,  netter Haufen :-).Hatten Sie gleich zu Anfang  vor, daraus eine Serie zu machen?

Susanne Ptak: Im Hinterkopf hatte ich von Anfang an eine Serie, natürlich immer vorausgesetzt, dass es Menschen geben würde, die schon mal den Grünlandmord lesen wollten. Wenn man mit dem Schreiben anfängt, hat man ja überhaupt keine Ahnung, ob es den Lesern gefällt oder ob sich überhaupt Leser finden. Ich war dann völlig überwältigt vom Erfolg, den mein Buch gleich von Anfang an hatte und schrieb sofort den "Hexenmord".
Grundsätzlich mag ich auch als Leserin Serien sehr. Man lernt die Protagonisten mit jedem Buch ein wenig besser kennen, hegt Sympathien für den einen, mag den anderen nicht so sehr. Für mich bringt das noch ein wenig mehr Spannung rein.

 

TOM:  Ihre Serie spielt im ostfriesischen Leer. Führen Sie oft Recherchen am Ort des Geschehens durch?

Susanne Ptak: Eine richtige Vorort-Recherche habe ich tatsächlich zum ersten Mal für den Krimi gemacht, den ich zurzeit schreibe. Der wird in Greetsiel und Pilsum spielen und - ob man es glaubt oder nicht - ich war vorher noch nie da. Und da ein Mordopfer vor einer touristischen Attraktion gefunden wird, wollte ich schon genau wissen, wie es dort so aussieht. *Off Topic* Greetsiel ist definitiv einen Besuch wert - auch ohne Mordermittlung.
Die Spinn-Krimis wollte ich ursprünglich in Leer-Logaerfeld, also dort, wo ich wohne, ansiedeln. Aber dann fiel mir auf, dass ich hier jeden Baum, jede Kuh und vor allen Dingen fast jeden Anwohner kenne. Da gestaltete sich für mich das Einfügen fiktiver Personen, Häuser und Höfe als recht schwierig - zumindest ohne jemandem versehentlich auf die Füße zu treten.
Holtland kenne ich nur, weil ich hin und wieder mal durchgefahren bin - also viel Platz für Fantasie. So gesehen ist für mich persönlich weniger Umgebungsrecherche besser.

 

TOM : Wie sieht Ihr Tagesablauf aus, wenn Sie dabei sind einen Kriminalroman zu schreiben?

Susanne Ptak: Diese Frage kann ich gar nicht so konkret beantworten, denn seit ich mit dem Schreiben angefangen habe, schreibe ich eigentlich ständig an einem Krimi und immer dann, wenn Zeit ist.
Wenn aber mal ein Tag so abläuft, wie ich ihn als Autorin gerne hätte, dann sieht der so aus:
Nach dem Frühstück geht es erst mal zu den Schafen. Im Winter bekommen sie dann ihr Futter, im Sommer gehen wir auf die Weide, prüfen, ob noch genug Wasser da und ob mit den "Wolligen" alles in Ordnung ist.
Danach gehen wir mit unseren beiden Langhaarcollies Connor und Liam im nahen Logabirumer Forst spazieren. Während dieses Spaziergangs lasse ich mir schon das zu schreibende Kapitel durch den Kopf gehen.
Nach der Hunderunde gibt's noch einen Kaffee und so gegen 9.00 Uhr sitze ich am Computer, sehe meine Emails nach und schaue, was bei Facebook so los ist.Jetzt geht's endlich ans Schreiben.
Wenn mein Magen knurrt, was meistens so gegen 12.00 Uhr der Fall ist, koche ich Mittagessen.
Nachmittags noch einmal eine Runde mit den Hunden und dann ist wieder Zeit zum Schreiben.
Nach dem Abendbrot werden noch einmal die Schafe kontrolliert und so gegen 20.00 Uhr ziehe ich mich mit Spinnrad oder Stricknadeln aufs Sofa zurück, gerne bei einem spannenden Fernsehkrimi.

 

TOM: Haben Sie einen Lieblingsautor oder einen Autor der als Vorbild dient.

Susanne Ptak:  Einen speziellen Lieblingsautor bzw. eine Autorin habe ich gar nicht. Was Krimis angeht, lese ich alles, was ich in die Finger bekomme.
Als Vorbilder für die Reihe um die Holtlander Spinngruppe dienten die amerikanischen Kolleginnen Betty Hechtman und  Anne Canadeo.

TOM: Viele Autoren nutzen Social Communities um mit ihren Lesern in Kontakt zu kommen bzw. zu bleiben. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Susanne Ptak: Nachdem ich anfangs gerade Facebook äußerst skeptisch gegenüber stand, weiß ich heute diese Möglichkeit der Kommunikation sehr zu schätzen. Ich habe so viele nette Menschen, Leser und Autoren-Kollegen, über dieses Medium kennengelernt. Im "richtigen Leben" wäre das gar nicht möglich gewesen. Außerdem habe ich natürlich eine Webseite und schreibe einen Blog. Den behandle ich allerdings zurzeit recht stiefmütterlich, weil ich im Moment so viel wie nur eben möglich am nächsten Krimi arbeite.

 

TOM: Was war es für Sie für ein Gefühl, ein Buch von Ihnen im Handel zu sehen?

Susanne Ptak: Es war nicht nur ein Gefühl - es war eine ganze Achterbahn davon! Überschwängliche Freude und auch Stolz, das geschafft zu haben! Dann folgte ein Anflug von Panik, als mir schlagartig bewusst wurde, dass nun jeder, der der deutschen Sprache mächtig ist, lesen konnte, was ich geschrieben hatte! Zuletzt Verunsicherung - würde es überhaupt Menschen geben, die mein Buch lesen wollen? Aber es siegten Stolz und Freude.

 

TOM: Heute kommt ihr aktueller Roman " Feuermord" in den Handel. Spielt die Tochter von Hauptkommissar Werner Harms, weiterhin mit?

Susanne Ptak: Annika Harms spielt weiterhin mit, hat aber diesmal nur eine Nebenrolle. Und die auch mehr im familiären Bereich, denn im Leben von Hauptkommissar Werner Harms und dessen Freundin Martha wird sich einiges ändern. Aber mehr verrate ich nicht.

 

TOM: Vielen Dank für das interessante Interview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe Sie schauen ab und zu bei TOMS Krimitreff vorbei. 

Susanne Ptak: Auch ich bedanke mich ganz herzlich für die tollen Fragen. Ganz bestimmt schaue ich häufiger hier vorbei!

 

 

Die Rezension zu " Hebammenmord"

 

© 05.05.15 Thomas Fink

 

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