Interview mit Elke Schwab



TOM: Erst einmal möchte ich Dir sagen, wie sehr ich mich freue, dass Du diesem Interview zugestimmt hast. Kannst Du uns ein wenig über Dich erzählen?

Elke Schwab: Über mich erzähle ich immer am liebsten, dass ich Pferdenärrin bin, selbst zwei wunderbare Pferde habe, die meine "Musen" sind. Die beiden stehen bei mir hinter dem Haus im Garten, wo ich sie täglich sehen kann. Vor zwei Wochen kam noch ein Esel dazu. Mal sehen, was der kleine Kerl mir alles ein flüstern wird.
Ich bin in Saarbrücken geboren und im Saarland aufgewachsen. Nach dem Gymnasium habe ich über zwanzig Jahre im Sozialministerium in der Abteilung Altenpolitik gearbeitet. Die Nähe zu Frankreich habe ich genutzt und mir in einem kleinen 250-Seelen-Dorf ein altes Bauernhaus gekauft. Dort lebe ich heute mit meinen vierbeinigen Kameraden und meinem Lebensgefährten und lasse mich in der beschaulichen Umgebung gern zu meinen Krimis inspirieren.

TOM: Im Jahr 2000 erschien dein erster Kriminalroman „Tödliche Besessenheit“. Wie kamst Du dazu Kriminalromane zu schreiben.

Elke Schwab: Als Kind habe ich mit Vorliebe spannende Abenteuergeschichten voller Geheimnisse geschrieben, die es zu lösen galt. Jeden Schulausflug konnte ich hinterher in eine Odyssee der Gefahren verwandeln - auf dem Papier natürlich.
So kam es, dass im Laufe der Jahre aus den kindlichen Abenteuerromanen Kriminalromane wurden, in denen es ebenfalls immer ein Geheimnis gibt, das es zulösen gilt - besser gesagt ein schweres Verbrechen das aufgeklärt werden muss.

TOM: Seit "Ein ganz klarer Fall" ermittelt das Team von Hauptkommissar Norbert Kullmann und seit dem blieb es bei diesem Team. Wie kam es da zu diesem Wechsel und wieso bist Du bei dem Team Kullmann geblieben.

Elke Schwab: Die Hauptfigur Norbert Kullmann ist mir aus dem Herzen gewachsen. Er ist ein Vorgesetzter und Mentor, eine Vaterfigur und Freund gleichzeitig. Also ein Mensch, wie ich es in meinem Arbeitsleben niemals kennen gelernt habe. So etwas wie eine Wunschfigur. Er ist schon älter, hat Lebenserfahrung, an der er andere teilhaben lässt. Hinzu kommen natürlich auch seine Ecken und Kanten. Alles in allem ist er sehr vielschichtig, was ihn für mich zu einer Figur macht, die niemals verblasst.
Eigentlich kann ich nicht von einem Team-Wechsel zwischen "Tödliche Besessenheit" und der Kullmann-Reihe sprechen, sondern eher von einem Genre-Wechsel. Mein Erstling war nie als Serie gedacht. "Tödliche Besessenheit" wurde ein spannender Thriller - ein Einzelwerk. Die Kullmann-Reihe gehört zum Genre der Regional-Krimis, die sich immer weiter fortsetzen, weil es nicht nur immer wieder neue spannende Fälle in der Region gibt, sondern auch, weil sich die Figuren auf interessante Art und Weise weiterentwickeln.

TOM: Da stelle ich mal eine provokative Gegenfrage zum Thema Regional-Krimi. Drückt man nicht in Deutschland den Krimi mit dem Begriff Regional-Krimi in eine Nische? Eine Nische, aus dem der deutsche Krimi meiner Meinung nach, schon draußen ist. 
Ist nicht jeder Krimi ein Regional-Krimi? Zum Beispiel: . Ein Kriminalroman, der in London spielt , ist ja dann auch ein Regional-Krimi. Ich bin der Meinung ein Krimi braucht einen lebendigen Ort, in dem die Handlung stattfindet, damit er gut wird.

Elke Schwab: Ich bin der Überzeugung, dass es für viele Leser ein besonderer Anreiz ist, Krimis zu lesen, die an vertrauten Orte spielen. So bringt der Regional-Krimi auch mal die ländliche Idylle in den Mittelpunkt des Verbrechens. Und die Provinz zeichnet sich durch viele Eigenarten aus. Jede hat ihren eigenen Charakter und das kann super in die Handlung mit einfließen. Auch geschichtliche Ereignisse oder geografische Besonderheiten aus einer Gegend können die Handlung authentischer machen.
Auch ist der fiktive Blick hinter die Fassaden oftmals interessant. Der gute Mann von nebenan, der sich plötzlich als böser Mörder herausstellt, bringt die gewohnte Ordnung ins Wanken. Damit wird der Alltag besser gewürzt.
Die Nähe zu der Handlung hat auch für die Leser zur Folge, dass sie schon fast daran glauben, die Hauptfiguren der Krimis gesehen zu haben.
Oft bin ich schon darauf angesprochen worden, dass jemand einen Mann gesehen hat, der doch tatsächlich Norbert Kullmann hätte sein können.  Er war einer Leserin an einer Ecke begegnet, in der Kullmann "tatsächlich" wohnt. Die Begeisterung der Leserin war groß.
In eine Nische gedrängt fühle ich mich mit meinen Regional-Krimis nicht.

TOM :  Dann komme mal auf Norbert Kullmann zurück. Setzt du die Serie weiter fort? Und wann ist  mit dem neuesten Krimi zu rechen?

Elke Schwab: Norbert Kullmann ist zwar inzwischen pensioniert, aber seine langjährigen Erfahrungen im Dienste der saarländischen Polizei werden immer wieder gebraucht. Ganz besonders von der Kommissarin Anke Deister, seinem Schützling. Mit Begeisterung setze ich die Serie fort, weil mir die Figuren immer lebendiger und lebensechter vorkommen. Ich werde auch immer wieder danach gefragt, wie es mit Norbert Kullmann und Anke Deister weitergeht. Also könnte ich diese Serie nicht so einfach absetzen, damit würde ich so manche Leserin oder manchen Leser verärgern - und das will ich nicht.
Mit meinem nächsten Krimi dürfte wohl im nächsten Jahr zu rechnen sein. Er ist fast fertig.

TOM: Bist du hauptberuflich Krimi-Autorin?

Elke Schwab: Ich habe über zwanzig Jahre im Sozialministerium gearbeitet und zwar in der Abteilung Altenpoltik. Alles in allem hatte ich ein ausgefülltes Leben, bis ich einen schweren Unfall erlitt.
Plötzlich musste ich lernen, mich neu zu orientieren.
Dabei bekam das Schreiben einen neuen Stellenwert. 
Früher ließ ich meine Romane achtlos in der Schublade schlummern. 
Heute bin ich in der Lage, den Wert meiner Werke zu erkennen. 
Ich fing an, meine Manuskripte zu veröffentlichen. Damit ist es mir gelungen, einen neuen Weg für mich zu entdecken. 
Inzwischen lebe ich als freie Krimi-Autorin.

TOM: Wie sieht dein Tagesablauf aus, wenn du an einem Kriminalroman arbeitest?

Elke Schwab: Es kann vorkommen, dass ich stundenlang am PC festsitze und nicht mehr wegkomme. Das sind Augenblicke, in denen lebe ich völlig in der Welt meiner Geschichte. Das ist einerseits sehr schön, andererseits bin ich dann so weggetreten, dass meine Umwelt von mir kaum wahrgenommen wird. 
Es gibt aber auch Zeiten, da mache ich schon nach kurzer Zeit wieder Feierabend. Das ist sehr unterschiedlich bei mir. Einen festen Tagesablauf habe ich nicht. Es gibt auch die berühmten Augenblicke, in denen mich eine ganz tolle Eingebung überfällt. Dann muss ich sofort an den PC -auch wenn es mitten in der Nacht ist.

TOM: Wie führst Du Recherchen zu deinen Kriminalroman durch. Hauptakteure in deinen Romanen sind ja Polizisten. Hast Du dich auch bei der Polizei kundig gemacht?

Elke Schwab: Meine Recherchen sind immer sehr umfangreich. Sobald ich mir ein Thema ausgewählt habe, über das ich schreiben will, sehe ich natürlich zu, dass ich mich mit dieser Thematik gut auskenne. Bei dem Jägerkrimi war das nicht schwer, weil mein Vater Jäger ist und meine Mutter jahrelang auf einem Forstamt gearbeitet hat. Mein Pferdekrimi ist mir auch nicht schwer gefallen, weil ich ja selbst reite. Aber ansonsten muss ich viel recherchieren.
Auch suche ich mir immer wieder andere Orte aus, in denen die Handlung spielen soll. Das hat natürlich zur Folge, dass ich mich über diese Orte informieren muss - am liebsten durch einen Heimatforscher, der sich bestens auskennt. Diese Recherchen sind nicht nur für meine Bücher wichtig, auch ich lerne dadurch das Saarland immer besser kennen. 
Und was die Polizeiarbeit betrifft, so kann ich sagen, dass ich mit einigen Hauptkommissaren des LKA des Saarlandes zusammenarbeite. Sie stehen mir jederzeit für Fragen zur Verfügung. Und wenn das Werk geschrieben ist, lesen sie es sogar, um die Polizei-Themen zu prüfen, damit sie auch richtig im Krimi stehen. Für diese große Bereitschaft bin ich sehr dankbar.

TOM: Hast du einen Lieblingskrimiautor ?

Elke Schwab: Meine deutsche Lieblingskrimiautorin ist Petra Hammesfahr.
Meine englische Lieblingskrimiautorin ist Elisabeth George.
Außerdem lese gern Andreas Franz, Franz Schätzing, Sabine Thiesler und und und... Es gibt wirklich viele, die ich gerne lese.

TOM:  Du bist ja auch ein wenig im Web 2.0 , den so genannten  Socialcommunities vertreten. Bekommt man dort Feedback zu seinen Werken?

Elke Schwab: Ich bin noch nicht  so lange  in den Socialcommunities des Web2.0 unterwegs. Doch seit ich dabei bin, erlebe ich eine wunderbare Resonanz.
Ich lerne viele liebe Menschen kennen, die meine Bücher lesen oder lesen wollen, und habe so auch nette Kontakte gefunden. Außerdem kann ich so meine Kontakte zu anderen Autorinnen und Autoren vertiefen, was ich bisher etwas vermisst hatte. Auf diesem Weg lerne ich meine Kolleginnen und Kollegen besser kennen. Da ich j.w.d. wohne, ist das Internet für mich ein sehr geeignetes Forum, mich über die Landesgrenzen hinaus vorzustellen. 
Und die bisherigen Feedbacks waren alle positiv. Das ist so etwas wie eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

TOM: Vielen Dank für dieses interessante Interview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe Du bleibst dem Krimitreff auch weiterhin treu.

Elke Schwab: Ich danke dir, Tom! 
Das Interview hat richtig Spaß gemacht.
Und natürlich bleibe ich dem Krimitreff treu 


© 12.11.09 Thomas Fink


zurück