Interview mit Christine Spindler

TOM : Erst einmal möchte ich Dir sagen sagen, wie sehr ich mich freue, dass Du diesem Interview zugestimmt  hast. Kannst Du uns ein wenig über dich erzählen?

Christine Spindler : Ich bin 41 Jahre alt, verheiratet, habe eine Tochter und einen Kater namens Pinselchen. Ich lebe auf dem Land, wo ich mich einfach viel wohler fühle als in der Stadt. Ich mag die Stille, die gute Luft und die netten Nachbarn. Städte haben natürlich auch ihren Reiz. Als ich Physik und Sprachen studiert habe, habe ich in Heidelberg gewohnt und es sehr genossen.

TOM : Dein Roman „Im Rhythmus der Rache “ist Dein erstes Werk. Wie kamst Du zum Schreiben?

Christine Spindler : Durch meine Familie. Meine Mutter schrieb ständig, mein Vater war Werbetexter, meine Tante Kinderbuchautorin. Schreiben gehörte einfach dazu, so wie Essen und Fernsehen. Manchmal haben wir uns kleine Theaterstücke ausgedacht und gemeinsam im Wohnzimmer aufgeführt (Publikum: 4 schläfrige Katzen). Meine ersten Werke waren Gedichte, dann kamen Kurzgeschichten und schließlich Romane. Natürlich lese ich auch viel. Nur wer Spaß am Lesen hat kann auch mit Hingabe schreiben.

TOM : Wie kam es dazu, erst den Weg über Amerika zu gehen und erst dann hier Dein Buch zu veröffentlichen?

Christine Spindler : Ich probiere gerne Neues. Als ich anfing, das Schreiben wirklich ernsthaft zu betreiben, hatte ich Lust, die Sprache zu wechseln. Es war keine strategisch günstige Entscheidung, denn als deutscher Autor tut man sich im Ausland schwer, aber nach langer Suche habe ich schließlich einen Verlag in den USA gefunden.

TOM : Bist Du jetzt hauptberuflich Schriftstellerin?

Christine Spindler : 24 Stunden am Tag. Meine Helden und Bösewichte verfolgen mich bis in den Traum. Meinen Job in einem Übersetzungsbüro habe ich vor 4 Jahren leichtsinnig hingeschmissen, aber ich habe es nicht bereut, auch wenn die Tantiemen im Moment noch spärlich fließen. Nur wenige schaffen es, vom Schreiben zu leben. So gesehen bin ich hauptberuflich Ehefrau.

TOM : Wie sieht Dein Tagesablauf aus, wenn Du ein Buch schreibst?

Christine Spindler : Ich bin ein chaotischer Mensch und kann nicht stundenlang konzentriert arbeiten. Mein Tagesablauf würde auf Beobachter völlig hektisch wirken. Kalt duschen – Schreiben – Frühstück – Emails beantworten – Schreiben – Klavier spielen – Bügeln – Schreiben – Spazieren gehen – Einkaufen – Schreiben – Mittagessen – Lesen – Schreiben – Altflöte üben – Aufräumen – im Internet surfen – Schreiben – Recherchieren – Abendbrot – Quizshows gucken – Schreiben ... Und genau das genieße ich: dass ich einfach meinen Eingebungen folgen und tun kann, wozu ich gerade Lust habe. Der reinste Luxus.

TOM : Der Handlungsort der Inspector Terry Serie ist London. Fährst Du zu Recherchen nach London? Wie sehen deine Recherchen aus?

Christine Spindler : Wenn ich ehrlich bin, habe ich meine Serie nur deswegen in London angesiedelt, weil ich einen Grund brauchte, um dort mal hinzufliegen. Wir hatten gerade ein Haus gebaut und waren knapp bei Kasse, da waren Reisen nicht drin. Aber als Recherchenreise konnte ich es durchsetzen. Inzwischen war ich oft in London, und auch an allen anderen Orten, die in meinen Büchern vorkommen. Nur was man gesehen hat, kann man realistisch beschreiben. Jedes Haus, jeder Baum, jede Mülltonne in meinen Büchern existiert wirklich. Nur die Personen sind erfunden.

Meine Recherchen sind so chaotisch wie mein Lebensstil. Manchmal fahre ich einfach mit dem Bus herum und lasse die Gegend auf mich wirken, mache spontane Interviews mit interessanten Menschen, folge einfach meinen Instinkten.

TOM : Wieso grad ein homosexueller Protagonist?

Christine Spindler : Das hat keinen speziellen Grund. Terry ist eben so. Er war einfach fix und fertig da als ich anfing zu schreiben. Ich finde es passt auch zu ihm.

TOM : Hast Du nicht Angst, dass dadurch deine Serie in eine „Schublade “ gepackt wird?

Christine Spindler : Nein, bestimmt nicht. Dazu ist die Homosexualität zu nebensächlich. Außerdem bin ich sowieso kein Schubladenmensch. Ich liebe die Abwechslung, nicht nur in meinem Tagesablauf, sondern auch in langfristigen Planungen. Ich schreibe auch andere Sachen, Kinderbücher, Kurzgeschichten, Fantasy, Science Fiction. Mit einer US-Autorin schreibe ich gerade an einer Krimiserie, die völlig anders ist, als meine Inspector-Terry-Romane, und das nicht nur, weil der Held ein Hetero ist.

TOM : Gibt es in Amerika schon eine Fortsetzung?

Christine Spindler : In den USA sind zwei weitere Inspector-Terry-Krimis erschienen, der Dritte als Hardcover, allerdings bei dem gleichen kleinen Verlag, was sich natürlich in den Verkaufszahlen niederschlägt. Kleine Verlage haben kein Werbebudget und werden von Buchhandlungen weitgehend ignoriert.

TOM : Hast Du einen Lieblingsschriftsteller?

Christine Spindler : Im Sci-Fi-Bereich ist das Douglas Adams, der 2001 leider starb. Bei den Krimis gilt meine große Liebe Dorothy L. Sayers.

TOM : Wie war das Gefühl, als Du zum erstenmal Dein Buch im Geschäft gesehen hast?

Christine Spindler : Total unwirklich und zugleich ein bisschen kribbelig. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, was fast schade ist.

TOM : Erhältst Du Fanpost? Und beantwortest Du sie alle.

Christine Spindler : Meistens sind es Fan-Emails, die ich natürlich alle ausführlich beantworte. In zwei Fällen wurde daraus eine richtige Freundschaft. Auch beim Recherchieren lerne ich oft nette Menschen kennen, mit denen ich dann in Kontakt bleibe. Schreiben ist zum Glück kein so einsamer Beruf, wie man oft denkt.

TOM : Vielen Dank für das Interview und ich hoffe Du wirst weiter Gast  bei TOMS  Krimitreff sein

Christine Spindler : Danke, es hat Spaß gemacht.

21.04.2002 © Thomas Fink

zurück