Interview mit Beate Winter



TOM: Erst einmal möchte ich Dir sagen, wie sehr ich mich freue, dass Du diesem Interview zugestimmt hast. Kannst Du uns ein wenig über Dich erzählen?

Beate Winter: Hallo Tom, vielen Dank für die Einladung zum Interview, ich freue mich auch. Ich wohne mit meiner Familie und unserem kleinen Hund Theo in Glüsingen, einem Ortsteil von Wittingen im Kreis Gifhorn. Geboren wurde ich im kalten Winter des Jahres 1956 hier im Landkreis. Ob mir so kurz vor Weihnachten vom Christkind meine Kreativität in die Wiege gelegt wurde, kann heute wohl niemand mehr nachvollziehen, sicher ist aber, dass ich bereits in der Schulzeit kleine Geschichten aufschrieb und meine Lehrer mit meinen Fantastereien zur Verzweiflung trieb, weil sie nie wussten, was Wahrheit war und was Fiktion. Die Schule überstand ich dennoch ohne nennenswerte Schwierigkeiten und begann danach eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Meine Neugierde auf das Leben und die Begegnungen mit Menschen zog mich stets zu neuen Orten. Ich bin so oft umgezogen, dass ich es kaum noch zählen kann; doch wo ich auch wohnte, immer hatte ich das Gefühl schreiben zu müssen. Das waren zu der Zeit kleine Liebesgeschichten für die Sockenschublade. Als mein Sohn geboren wurde und mit seinen damals zwei Jahren so viel Unfug im Kopf hatte und ich diese kleinen Episoden aufschrieb, stellte ich schnell fest, dass in dieser Form niemand meine Geschichten lesen mochte. Ich habe einen Hang zu Bandwurmsätzen. Was aber Thomas Bernhard, einer meiner Lieblingsschriftsteller, so trefflich gelang, führte in meinen Texten zu reiner Verwirrung, denn im Unterschied zu Herrn Bernhard gingen meine Endlossätze nicht immer auf. Ich beschloss aus meiner Berufung einen Beruf zu machen und begann ein Fernstudium Belletristik bei der Schule des Schreibens. Denn Schreiben ist ein Handwerk und das kann man lernen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen landete ich vor Jahren wieder hier im Landkreis und machte den Führerschein für Omnibusse. Seitdem fuhr ich Schulkinder von hier nach Gifhorn. Seit einigen Jahren, nach einer Wirbelsäulenoperation, darf ich diesen Beruf nicht mehr ausüben. Dafür widme ich mich jetzt voll und ganz dem Schreiben.

 

TOM:"Blauäugig" ist ja dein erster Kriminalroman. Was hat dich dazu bewogen, einen Krimi zu schreiben.

Beate Winter: Ich lese am liebsten spannende Bücher und mit Vorliebe Krimis. Nur zu blutrünstig darf es nicht sein, sonst grusele ich mich. Ich habe schon wirklich gute Kriminalromane nach 20 Seiten weggelegt, weil mir die grausame Beschreibung zu viel wurde. Das könnte ich selbst auch nie so detailliert ausführen. Meinen ersten Krimi habe ich wohl in der vierten Klasse geschrieben. Nach den großen Ferien gibt es ja dieses bei den Lehrern so beliebte Thema: Was passierte Spannendes in den Sommerferien? Ich brütete über meinem Aufsatzheft und dachte nach. In diesen Ferien war nichts, aber auch gar nichts Spannendes passiert. Wir waren mit der Familie in der Nähe von Amsterdam und hatten Bekannte besucht. Sie hatten eine Tochter, etwa im gleichen Alter wie ich. Wir sind oft mit den Rädern unterwegs gewesen, aber auch hier – nichts was erzählenswert gewesen wäre. Ok, dachte ich, wenn der was Aufregendes will, dann bekommt der das auch und erfand eine Geschichte von einem Mann der uns angesprochen und verfolgt hatte. Dafür durfte ich dann, nachdem wir die Hefte wiederbekommen hatten, beim Lehrer antreten und der fragte: Stimmt das denn alles wirklich? Ich sagte: Nö! Bis heute weiß ich nicht, was der davon gehalten hatte. Ich schreibe zwar auch ernste, sinnliche, unheimliche und heitere Kurzgeschichten, doch meine Vorliebe ist es, in die finsteren Abgründe der Menschenseelen zu blicken und zu erahnen, was sie zu ihren teils unfassbaren Vorgehensweisen getrieben haben könnte. Ich stelle mir immer die Frage, wie könnte jemand in einer extremen Situation reagieren? Es ist für mich spannend zu beobachten, wie sich die Protagonisten verhalten, denn einige führen ein Eigenleben und geben mir schon deutlich zu verstehen, was sie tun werden.

 

TOM:In Blauäugig ermittelt ja das Team um Kilian Frommelt. Lesen wir von diesem Team im nächsten Kriminalroman von dir wieder?

Beate Winter: Ja, es wird eine Fortsetzung geben, wenn der Verlag damit einverstanden ist. Kilian Frommelt, Hannah Seidlitz und Roland Bräuer ermitteln dieses Mal in Wittingen und Knesebeck, ganz in der Nähe meines Wohnortes. Es wird in der Karnevalszeit spielen, aber mehr möchte ich noch nicht verraten.

 

TOM:  Dein Krimi spielt in der Region Gifhorn, wo du auch beheimatet bist. Führst du oft Recherchen am Ort des Geschehens durch?

Beate Winter: Ja immer. Nach dem Ort, wo die kleine Lisa tot aufgefunden wurde, habe ich lange gesucht. Zum Glück gibt es das Internet. Ich habe mir zwei Örtlichkeiten rausgesucht, bin hingefahren und habe Fotos gemacht. Die Senke in Isenbüttel an den Glockwiesen war ideal für meine Geschichte. Aber auch am Schlosssee habe ich lange Spaziergänge gemacht und nach den passenden Gegebenheiten Ausschau gehalten. Ich fotografiere alles, damit ich das immer vor Augen habe und nicht noch einmal hinfahren muss, nur weil ich etwas übersehen habe. Genauso wie ich mir die Straßen und Stadtteile angesehen habe, in denen zum Beispiel Simone oder Monika wohnen. Das muss schon stimmen. Aber ich bin vor einigen Jahren noch Linienbus gefahren und hatte eine Tour von hier aus nach Gifhorn, wo ich vier Stunden Aufenthalt hatte. Da hatte ich schon Gelegenheit, mir die Stadt genauer anzusehen. Im Winter saß ich oft im Paula's und habe geschrieben. Im Winter kann es ganz schön kalt werden, wenn man vier Stunden im Bus sitzen muss. Im Paula’s hat es mir so gut gefallen, dass ich Birgit dort „angestellt“ habe.

 

TOM : Wie sieht Dein Tagesablauf aus, wenn Du dabei bist einen Kriminalroman zu schreiben?

Beate Winter: Na ja, ich versuche mich gleich nach dem Aufstehen und Wachwerden an die Arbeit zu machen. Am liebsten schreibe ich vormittags bis zum Mittag. Dann sind die Gedanken noch frisch und ich kann mich am besten konzentrieren. Dann gehe ich auch nicht ans Telefon. Aber leider kommt allzu oft etwas dazwischen. Da kann die Schreibpause auch schon mal einige Tage dauern. Ich bewundere die Autoren, die sich wirklich an einen festen Zeitrahmen halten. Es kann aber auch vorkommen, dass meine Protagonisten nicht so wollen, wie ich, dann grüble ich lange darüber nach, wie wir uns da einigen können. Ab mittags kommen dann mein Hund und der Haushalt dran, Mails beantworten, Lesungen vorbereiten. Also dann, wenn es so läuft, wie ich das geplant habe, was selten genug vorkommt.  

 

TOM:  Hast Du einen Lieblingsautor oder einen Autor der dir als Vorbild dient?

Beate Winter:  Nein, ein bestimmtes Vorbild habe ich nicht. Ich lese gerne Krimis von Sebastian Fitzek, der an Spannung kaum zu überbieten ist. Ingrid Noll liebe ich der skurrilen Figuren wegen, Agatha Christie wegen der kaum zu überbietenden Verwicklungen und Klaus-Peter Wolf auch wegen des regionalen Hintergrunds. Aber dazu kommen noch jede Menge anderer Autorinnen und Autoren. Von jedem kann man etwas dazulernen. Ich denke, wenn man selbst schreibt, liest man Bücher etwas anders.

TOM: Viele Autoren nutzen Social Communities um mit ihren Lesern in Kontakt zu kommen bzw. zu bleiben. Wie sieht das bei Dir aus?

Beate Winter: Für mich ist Facebook eine gute Möglichkeit mit Lesern und auch anderen Autorinnen und Autoren in Kontakt zu kommen. Ich habe neben meiner „privaten“ Seite eine Autorenseite. Dort stell ich Ankündigungen zu Lesungen oder Pressemitteilungen ein. Man bekommt hier schnell eine Rückmeldung, das ist mir schon wichtig.

 

TOM: Was war das für ein Gefühl für dich, das erste mal dein Buch in einer Buchhandlung zu sehen?

Beate Winter: Das war schon ein ganz besonderer Augenblick. Vor allem war ich stolz, nach so langer Zeit einen Verlag gefunden zu haben, der meinen Krimi mit solch einem tollen Cover versehen und mir eine ausgezeichnete Lektorin an die Seite gestellt hatte.

 

TOM: Bleibt das Ermittlerteam im neuen Roman so zusammen oder gibt es das Neuerungen? 

Beate Winter: Kilian Frommelt, Hannah Seidlitz und Roland Bräuer werden auch im nächsten Fall eingesetzt. Dieses Mal wird das Team in Wittingen und Knesebeck ermitteln. Aber auch Richard Wehmeier und Fabian Hein werden eine kleine Nebenrolle bekommen. Ich bin oft gefragt worden, was aus den Beiden geworden ist und mir sind sie ja auch sehr ans Herz gewachsen.

 

 

TOM: Vielen Dank für das interessante Interview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe Du schaust ab und zu bei TOMS Krimitreff vorbei. 

Beate Winter: Vielen Dank für Dein Interesse und die tollen Fragen. Ich schau bestimmt öfter bei dir auf die Seite um zu schauen, was es Neues gibt und um interessante Krimis zu entdecken, die ich noch nicht kenne.

 

 

Die Rezension zu " Blauäugig"

 

© 12.03.16 Thomas Fink

 

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