Der Tequila - Effekt

Autor: Rolo Diez

Verlag: Distel   

ISBN:  3-923208-70-7   

erschienen: 2002 deutsch (von Horst Rosenberger)                                                     1992 spanisch 

Inhalt mit Bewertung: Carlos Hernández ist ein kleiner Polizeioffizier, der für das Büro für Operative Beziehungen (OB) arbeitet. Das OB wird immer dann in Kriminalfälle eingeschaltet, wenn Gringos oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens darin verwickelt sind, auf die nicht ein Hauch eines Verdachts fallen darf. Sein neuster Fall ist der Mord an einem Gringo, einem Cineasten, der tödliche Orgien unter dem Auge einer Kamera inszeniert hat. Tatort ist ein Stundenhotel und Tatverdächtiger ist ein blonder Transvestit. Als im Laufe der Ermittlungen Gringos, Kubaner und Kolumbianer sich gegenseitig umbringen und Prostituierte verschwinden, begreift Hernández, dass er diesen Fall besser nicht hätte übernehmen sollen. Am Ende fängt er sich auch noch eine Kugel ein und sieht alles mit anderen Augen ...

Carlos Hernández ist nur ein kleines Rädchen im OB. Seine vordringlichste Aufgabe ist die Akquisition von Schmier- und Schutzgeldern im Auftrage seines Chefs. Diese Nebengeschäfte hat Hernández auch bitter nötig, denn er muss von seinem kargen Lohn nicht nur seine Frau Lourdes und seine beiden Kinder Carlos und Araceli ernähren, sondern auch seine Geliebte Gloria und deren Kinder. Das Doppelleben mit Gloria und Loudes hat Hernández gut und zufrieden stellend organisiert; es verbleibt sogar Zeit und Lust auf weitere außereheliche Abenteuer mit Kolleginnen. Überhaupt ist das Denken von Hernández vorwiegend von Sex bestimmt: Verfahren gegen Straffällig gewordene Frauen werden gegen Sex eingestellt, weibliche Tatverdächtige werden kompromittiert und zu Gefälligkeiten genötigt. Folgerichtig stehen nicht die Ermittlungen im Vordergrund des Romans von Rolo Diez. Der Autor beschreibt das pralle Leben von Mexiko City, den Alltag und den Machismus. Hernández ist ein typischer Vertreter des lateinamerikanischen Machismus. Bei Abenteuern stören ihn weniger moralische Normen, sondern eher die Frage seiner Potenz. Und nichts deutet daraufhin, dass er seine Ermittlungen einmal vorantreiben würde, um die wahren Täter zu entlarven.

Als Hernández schließlich den wahren Hintergründen der Ermordung des Gringos auf die Spur kommt, sieht er seine große Chance sehr viel Geld zu verdienen. Eine Videokassette mit der Ermordung einer Prostituierten ist der Schlüssel zum Glück. Aber mit der Suche nach dieser Kassette hat Hernández einen großen Fehler gemacht. Man lauert ihm und seinen beiden Komplizen/Kumpanen auf, und bei dem Schusswechsel wird er von einer Kugel im Nacken getroffen. Diese Kugel wird zu einer Initialzündung, mit einem Male sieht Hernández klar: Er erkennt, dass man nur mit ihm gespielt und ihn gleich einer Marionette durch diesen Fall geführt hat. Hernández fühlt sich verkauft und möchte mit einem Mal der ganzen Welt heimzahlen, dass er in ihrem Spinnennetz gefangen ist und er die Bedürfnisse anderer zu befriedigen hat, ohne dass nach seinen Wünschen gefragt wird. Er dreht den Spieß um und bedroht seinen Chef, der die wahren Hintergründe kennt. Mit dessen Wissen könnte er sich aus diesem Netz befreien und ein neues Leben beginnen.
Dass es dann anders kommt, hat viel damit zu tun, dass die Verhältnisse so sind wie sie sind. Das, was man hat, hat man und das wenige, was man hat, das möchte man nicht noch verlieren. Hernández begehrt auf gegen die herrschenden Zustände und kommt gerade rechtzeitig zur Besinnung. Er bietet Unterwerfung und einen Sündenbock an, dafür wird er wieder in Gnaden aufgenommen. Beruhigt kann er sich wieder in sein Spinnennetz zurücklehnen.

Rolo Diez hat eine wunderschöne Satire über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Mexiko im Gewande eines Kriminalromans geschrieben. Am Ende des Romans bleibt ein bitterer Geschmack, aber das ist nicht der Fehler des Autors. Wir, die Leser, wünschen uns Helden, die konsequent ihren Weg zu Ende gehen – ohne Rücksicht auf Verluste. Aber das Finale ist konsequent und wahrscheinlich sehr wahr !

14.01.2003 © Claus

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