Der Nachmittag des Pornographen

Autor: Heinrich Steinfest
Verlag: Aarachne
ISBN: 3852550254
erschienen: 1999 deutsch
Inhalt mit Bewertung:
In seinem zweiten Kriminalroman karikiert der Wiener Autor und bildende
Künstler Heinrich Steinfest die feine Wiener Großbürgergesellschaft, die
auch vor keinem noch so kriminellen Schritt zurückschreckt, um ein Ziel zu
erreichen oder sich einfach von etwas Banal-Lästigem zu befreien. Und diese
tägliche Liquidation, die in Politik, Wirtschaft und Familie geschieht und
meistens in Form von Rücktritt, Kündigung und alltäglichen Terror
vorgenommen wird, wird in der Steinfestschen Diktion emotionslos, garantiert
tödlich und mit möglichst wenig Brutalität, Zeugen und Spuren von
Profikillern durchgeführt. Die geschlagene Kreatur Paul, passionierter
Radfahrer, Beinahe-Vegetarier, ein sympathischer Versager sozusagen, der in
einer Nobelvilla als „Hausarbeiter“ beschäftigt ist, bekommt vom Autor die
Mühen einer Hauptfigur aufgebürdet. Nicht nur, dass Pauls Selbstmordversuch
scheitert, er gerät zudem noch unter Doppelmordverdacht und landet im
Gefängnis, in dem sehr seltsame (beinahe paradiesische) Zustände herrschen
und die Machenschaften einer dem Kapitalismus verpflichteten Gesellschaft
Dimensionen erreichen, die jegliches Schamgefühl im Keim ersticken.
Die Hiebe, die Steinfest nebenbei an jene illustre
Gesellschaft verteilt, die knöcheltief im Gesabber ihrer ureigensten
Doppelmoral steckt, erreichen oft einen boshaft-bösartigen Ton. Er
überzeichnet kräftig die handelnden Figuren und Zustände und schafft somit
ein Bild, das einem zeitweise den Atem verschlägt. Aber in all diesen
Überzeichnungen stecken Wahrheiten, die oftmals erst durch das Mittel der
Übertreibung bewußt werden, wenn sich Schmunzeln und Übelkeit die Hand
geben.
03.07.2001 © Rudolf Kraus