Der Fall mit den Pralinen

Verlag: Diogenes    

ISBN:   3257216394    

erschienen:  

Inhalt mit Bewertung: "Anthony Berkely war Präsident des Londoner Detection Clubs, eines Detektiv-Klub in den "goldenen Zwanziger" Jahren, dem auch so erlauchte Persönlichkeiten wie Dorothy Sayers, Cyril Hare und Agatha Christie angehörten. Zu den Regeln des Clubs gehörten absolute Fairness dem Leser gegenüber. (Agatha Christie wurde nach der Veröffentlichung ihres Krimis: The Murder of Mr. Arqard, in dem der Ich-Erzähler der Täter war, zeitweise aus dem Club ausgeschlossen, da diese Regel nach Meinung des Clubs nicht beachtet worden war). 

In seinem berühmtesten Kriminalroman: "Der Fall mit den Pralinen" aus dem Jahre 1929 (The poisened chocolate case) karikiert er die Mitglieder dieses Clubs. Sir Eustache Pennefather erhält eines Tages eine Schachtel Pralinen - er gibt sie an ein anderes Clubmitglied weiter. Der Genuss dieser Pralinen kostet der Ehefrau dieses Clubmitgliedes das Leben - denn sie waren vergiftet. Da die Polizei nicht so recht mit dem Fall weiterkommt, gibt sie den Fall an einen "Kriminalzirkel" weiter. Die sechs erlauchten Mitglieder dieses einmaligen Klubs zerbrechen sich ihre Köpfe - jedes Mitglied liefert an einem Abend eine Theorie ab - alle mit einer überzeugenden Lösung - welche ist die richtige? 

Wie Julian Symons in seinem Klassiker: "Am Anfang war der Mord" geschrieben hat, gehört dieser Krimi zu den wichtigsten des sogenannten klassischen Genres. Aber: Berkely führt bereits 1929 genau diese simple, herkömmliche Form des Kriminalromans ad absurdum - er beweist, dass psychologische Faktoren genauso wichtig sind. Berkely, dessen unter dem Pseudonym Francis Iles geschriebener Krimi: "Der Verdacht" von Hitchcock verfilmt wurde - es handelt sich hier in der Tat um einen Psychothriller - beweist schon in diesem Buch seine Qualitäten und seinen Witz und Humor, der an P. G. Woodhouse geschult wurde - der einer der Lieblingsautoren Berkelys (auch dies ist ein Pseudonym, eigentlich heißt er: Anthony Berkely Cox) gewesen ist. "Die Tage der simplen, herkömmlichen Detektivstory, die sich einzig und allein auf ein Rätsel stützt, sind gezählt. Das mysteriöse Element wird zweifellos erhalten bleiben - als das Rätselhafte im Menschen selbst. Hinter dem gewöhnlichsten aller Morde steht ein Komplex von Gefühlen, menschlichen Dramen und Abenteuern." Dieses Zitat von Berkely - abgedruckt auf der Rückseite des Diogenes-Verlages - zeigt genau, worauf es ihm ankommt: Die Schaffung von Spannung, nachvollziehbaren Charaktere und das Anbieten glaubwürdiger, psychologisch nachvollziehbarer und stimmiger Lösungen. Insofern nimmt er Psychokrimis heutiger Autoren durchaus schon vorweg - auch wenn der vorliegende "Fall" vordergründig noch ein klassischer Rätselkrimi aus der Strickkiste von Christie und Sayers zu sein scheint. Beide Frauen kommen in dem Roman als Mitglieder des Kriminalzirkels vor - durchaus lebensecht gezeichnet, wie ich finde. Fazit: es ist ein Genuss, dieses Buch, welches zur Zeit leider vergriffen ist, zu lesen. Für jeden Krimifreund !!!!"

24.05.2002 © Bernhard Nowak

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