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Das falsche Urteil
Verlag: btb ISBN: 3-442-72598-4
erschienen: 2000 deutsch (von Gabriele
Haefs) 1995 schwedisch
Inhalt: Eine männliche Leiche ohne
Kopf, Hände und Füße wird gefunden. Die Obduktion ergibt, dass der Mann schon
vor 8 Monaten getötet sein muss. Münster übernimmt den Fall, da Kommissar van
Veeteren sich einer Darmkrebsoperation unterziehen muss. Recherchen ergeben,
dass es sich bei der Leiche um Leopold Verhaven handeln muss, der vor 8 Monaten
aus dem Gefängnis entlassen wurde, nachdem er zu zweimal zwölf Jahren wegen
Mordes an zwei Frauen in zwei Indizienprozessen verurteilt worden war. Nun
stellt sich für die ermittelnden Polizisten die Frage, ob Verhaven wegen der
Morde an den Frauen oder vom wahren Mörder der Frauen ermordet wurde.
Bewertung: Hakan Nesser hat mit
"Das falsche Urteil" einen relativ guten Kriminalroman geschrieben,
wobei das Ende allerdings sehr zweifelhaft ist. Der
Roman lässt sich zügig lesen, hat sehr gute Charakterdarstellungen und als
Leser hofft man auf ein gutes Ende. Das Ende dieses Romans ist jedoch recht
zweifelhaft, denn wo kommen wir hin, wenn jeder Selbstjustiz ausüben würde,
wenn feststeht, dass der Täter anhand des Gesetzes nicht überführt werden
kann! Des weiteren kann ich auch nicht verstehen, warum es van Veeteren gelingt,
den Mörder zu entlarven, obwohl er den größten Teil des Buches im Krankenhaus
liegt und sich nur von Münster oder anhand der Aktenlage ein Bild machen kann.
Nesser bescheinigt seinem Helden van Veteren große Kompetenz, während alle
anderen Polizisten nur Statistenrollen übernehmen dürfen. Mit diesem Bild von
dem allwissenden van Veeteren hatte ich auch meine Schwierigkeiten.

03.11.00 © Martina Fink
Inhalt mit Bewertung : "An einem sonnigen
Augusttag wird ein Mann aus dem Gefängnis entlassen. An einem regnerischen
Apriltag finden spielende Kinder seine Leiche. Wurde er getötet, weil jemand
fand, er sei noch nicht gestraft genug? Oder fürchtete jemand seine Rache? Denn
der angebliche Doppelmörder hatte seine Taten nie gestanden und immer seine
Unschuld beteuert. Van Veeteren beschleicht ein furchtbarer Verdacht: Hat er am
Ende die Wahrheit gesagt und der wirkliche Mörder läuft noch frei
herum...".
Soweit der Klappentext. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Ich hab mich am Ende über
diesen Roman von Hakan Nesser geärgert. Dabei lässt er sich ganz gut an. Flüssig
geschrieben, gut zu lesen, interessante, vielschichtige Charaktere. Die
Ermittlungsarbeit der Polizei wird lebendig dargestellt. Man fiebert mit den
Polizisten, ob es ihnen gelingen wird, den Mörder des angeblichen Doppelmörders
Leopold Verhaven zu enttarnen.
Gut, ich hab mich schon gefragt, warum Nesser seinen Roman nicht in Norrköping,
Malmö oder Göteborg (Nesser ist Schwede), sondern in einer seltsamen Mischung
aus Holland, Deutschland und allen möglichen anderen Ländern spielen lässt.
Ich denke, auch ein Krimi braucht Heimat, aber das sieht Nesser vielleicht
anders.
Arg weit hergeholt ist es auch, wenn der Autor uns glauben machen will, es sei möglich,
dass durch einen Justizirrtum ein Unschuldiger zweimal wegen Mordes hinter
Gitter kommt, und beide Mal war der wirkliche Bösewicht ein Anderer (immer
derselbe), auf den kein Verdacht fiel. Aber so was gibt's auch in anderen
Krimis, und wenn's denn spannend dargestellt ist, verzeih ich solche Kunstgriffe
gerne.
Nein, was mich ärgert ist die Haltung, die Nesser am Ende des Romans erkennen lässt.
Nun soll man ja den Plot eines Krimis in einer Besprechung nicht verraten, weil
dann die Spannung weg ist, und wer liest das Buch dann noch, aber in diesem Fall
breche ich diese Regel, um zu erklären, warum ich mich geärgert habe, und
mittlerweile denke, dass fünf Kartoffeln noch zu viel sind..
Das Ende geht so: Kommissar Van Veeteren hat den wirklichen Mörder enttarnt,
wobei mir nicht so ganz klar wurde, wie er das eigentlich angestellt hat, aber
das nur am Rande, kann den Mörder aber nicht dazu bewegen, ein Geständnis
abzulegen. Auch hat er keine Beweise, die für eine Anklageerhebung ausreichen würden.
Also beschließt er, der Gerechtigkeit, oder was er dafür hält, auf andere
Weise zum Sieg zu verhelfen. Der Mörder kommt bei einem Sturz von einem Balkon
ums Leben, und der Autor erweckt stark den Eindruck, obwohl es nicht explizit so
ausgedrückt wird, dass Van Veeteren dabei seine Hand aktiv im Spiel hatte. Also
Selbstjustiz! Weil die Polizei nicht in der Lage ist, einen Mörder zu überführen,
und die Justiz, ihn zu verurteilen, hat der Held des Romans das Recht, Richter
über Leben und Tod zu spielen, aus eigener Machtvollkommenheit. Und der Autor heißt
dies gut. Diese zutiefst reaktionäre Haltung von Nesser ärgert mich. Wenn man
das überspitzt weiter denkt, hat dann womöglich auch der Neonazi Recht, der
einen Schwarzen tottrampelt, weil die Behörde ihn (den Schwarzen) nicht
ausgewiesen hat, obwohl es ja klar ist, dass alle Schwarzen Kriminelle sind,
zumindest in der krausen Logik der Glatzenträger. Würde der Autor dies gutheißen?
Wohl nicht, aber wo ist eigentlich der qualitative Unterschied?

31.10.00 © Bernd L.
Bookie

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